Weirauch und Fulst-Blei: „Die Landesregierung lässt Sportvereine in der Corona-Krise im Regen stehen“

Veröffentlicht am 04.06.2020 in Landespolitik

Die Mannheimer SPD-Landtagsabgeordneten Dr. Boris Weirauch und Dr. Stefan Fulst-Blei kritisieren mangelndes Engagement der Landesregierung, den durch die Coronakrise auch in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Sportvereinen beizustehen. Insbesondere verärgert sind die beiden Abgeordneten über Aussagen von Sportministerin Dr. Susanne Eisenmann, nach denen es an mangelnder Einigkeit der Sportverbände läge, dass angekündigte Mittel aus dem Solidarpakt III noch nicht hätten fließen können.

„Grundsätzlich brauchen die Sportvereine in dieser außergewöhnlichen Krise mehr Unterstützung als eine Umverteilung von Geldern, die dem Sport sowieso zugeflossen wären“, erklärt Fulst-Blei. „Dass aber nicht einmal das funktioniert, ist ein Skandal.“

Im März hatte Eisenmann angekündigt, dass den Sportvereinen nicht abgerufene Mittel aus dem Solidarpakt III zur Linderung der Auswirkungen der Coronakrise auf den Vereinsbetrieb zur Verfügung gestellt werden sollten. Der Solidarpakt wurde noch unter der grün-roten Regierung beschlossen, um den Sport und die Sportvereine in Baden-Württemberg stärker zu fördern.

Weirauch kritisiert sowohl das schleppende Verfahren als auch die Begründung der Ministerin: „In einem Schreiben an die Präsidenten und die Vorsitzenden der Sportkreise vom 13. Mai äußerte sich die Ministerin dahingehend, dass ‚die derzeit bestehende Uneinigkeit der Sportorganisationen‘ der Grund dafür sei, dass das Sportministerium nicht wie angekündigt für die baden-württembergischen Vereine tätig werden könne. Anstatt energisch zu handeln, schiebt sie den Sportverbänden den Schwarzen Peter zu. Das ist ein Foulspiel erster Klasse.“

Auch in Mannheim spüren die Vereine die Auswirkungen der Coronakrise deutlich. Weirauch, der selbst ehrenamtlicher 1. Vorsitzender der MTG Mannheim ist, hatte in einer Videokonferenz mit über 30 Vertretern von Mannheimer Sportvereinen die Probleme der Vereine aufgrund von Coronakrise und Kontaktbeschränkungen diskutiert.

„Es ist ganz klar, wie schwer viele Vereine durch den Wegfall von Kursgebühren, die Absage von Veranstaltungen sowie ausfallende Miet- und Pachteinnahmen finanziell belastet werden“, fasst Weirauch zusammen. Er hatte sich im Nachgang der Konferenz mit einem Ministerbrief an Eisenmann gewandt. „Die teilweise Wiederaufnahme des Sportbetriebs hilft den Vereinen zumindest etwas, aber die finanziellen Auswirkungen werden noch über lange Zeit spürbar sein.“

Die beiden Mannheimer Abgeordneten sind sich einig, dass über die Mittel des Solidarpakts III hinaus Handlungsbedarf besteht, finanziell strauchelnden  Vereinen unter die Arme zu greifen. „Sportvereine leisten eine gesellschaftlich wichtigen Beitrag für unser Gemeinwesen“, so die beiden Abgeordneten. „Dies muss auch in der Krise gewürdigt werden. Ein Vereinssterben aufgrund von Corona darf es nicht geben.“

Die SPD-Landtagsfraktion in Stuttgart hatte aus diesem Grund gemeinsam mit der FDP-Fraktion im Ausschuss für Kultus, Jugend und Sport einen Antrag gestellt, in dem sie einen „Solidarpakt plus“ für den Sport fordert, der neben dem flexiblen Einsatz von Geldern aus dem Solidarpakt auch zusätzliche finanzielle Hilfen für in Not geratene Vereine vorsieht. Außerdem sollen Sportvereinen ausreichend Mittel zur Verfügung stehen, über die Sommerferien Angebote für Kinder und Jugendliche anbieten zu können. Die Vertreter der Regierungsfraktionen von Grünen und CDU im Ausschuss lehnten diesen Antrag ab.

„Wieder einmal keine guten Nachrichten für den Sport in Baden-Württemberg“, ziehen Fulst-Blei und Weirauch ein bitteres Fazit der Debatte im Landtag.