Interview im Staatsanzeiger: Sparkassen haben auch soziale Funktion

Veröffentlicht am 16.04.2018 in Landespolitik

Eine Sparkassen-Filiale in Überlingen | Bild: Frank Vincentz/Wikipedia; Lizenz: GFDL

Im Interview mit dem „Staatsanzeiger“ führt der Landtagsabgeordnete Dr. Boris Weirauch aus, warum Sparkassen auch eine soziale Funktion haben und fordert von den Verwaltungsräten ein, immer auch auf die soziale Stadtentwicklung zu achten. Das Gespräch führte Michael Schwarz.

Staatsanzeiger: Werden die Sparkassen ihrem Auftrag noch gerecht?

Boris Weirauch: In den vergangenen zehn Jahren wurden 25 Prozent der Filialen abgebaut. Gleichzeitig ist die Ertragslage weiterhin stabil, und dies bei einer Gesamtkapitalquote, die landesweit im Durchschnitt mit fast 17 Prozent deutlich über den Anforderungen der Basel-III-Kriterien liegt. Da stellt sich für mich die Frage, ob der Rückzug aus der Fläche gerechtfertigt ist. In der Finanzkrise hätte man dafür möglicherweise noch Verständnis gehabt – aber nicht jetzt in einer Phase der Prosperität.

Die Sparkassen argumentieren mit dem veränderten Kundenverhalten.

Das entbindet sie aber nicht von der Verantwortung, in der Fläche präsent zu sein. Es genügt nicht, darauf zu verweisen, dass man notfalls auch bei Supermärkten Geld abheben kann. Für die SPD ist eine Sparkasse auch ein Fixpunkt innerhalb einer Gemeinde. Wenn die Sparkasse zumacht, setzt dies mitunter eine Abwärtsspirale in Gang und weitere Geschäfte schließen.

Sparkassenpräsident Peter Schneider verweist darauf, dass die Kunden heutzutage 100 Mal häufiger online Bankgeschäfte tätigen als in der Filiale. Wäre es daher nicht geboten, noch mehr Filialen zu schließen und das Geld sinnvoller zu verwenden?

Nein. Eine Sparkasse hat auch eine soziale Funktion. Es ist ein Anlaufpunkt gerade auch für Ältere. Menschen, die seit 50 Jahren ihr Konto bei der Sparkasse haben, fangen nicht von heute auf morgen damit an, Online-Banking zu machen. Ihnen ist es auch nicht ohne Weiteres möglich, 20 Kilometer in die nächste Stadt zu fahren.

Diese Entscheidungen haben nicht nur Manager zu verantworten – auch Verwaltungsräte, die vor allem mit Lokalpolitikern besetzt sind. Was müssen sie besser machen?

Bei Filialschließungen sollte der Verwaltungsrat genau prüfen, ob darunter die Stadtentwicklung leidet. Das hat auch etwas mit der Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse in Stadt und Land zu tun, wie sie uns das Grundgesetz aufgibt. Mit einem Bankautomaten kann ich keine Gespräche führen.

Sollten die Sparkassen untereinander und mit den Volks- und Raiffeisenbanken enger zusammenarbeiten?

Das geschieht ja schon. Sparkassen schließen sich zusammen. In einer 8000-Einwohner-Gemeinde braucht man keine vier Bankfilialen. Es ist wichtig, dass es dort ein oder zwei Kreditinstitute gibt, die ihre Filialen aufrechterhalten. Es muss aber unbedingt verhindert werden, dass in derselben Gemeinde sowohl die Sparkasse als auch die Volksbank schließen.

Die Sparkassen dünnen ihr Filialnetz aus, die teilstaatliche Commerzbank geht den umgekehrten Weg. Was macht die Commerzbank besser?

Die Geschäftspolitik der Commerzbank kann ich nicht beurteilen. Aber ich begrüße es immer, wenn Banken ihr Filialnetz ausbauen.

 
 

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